In der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure, kurz HOAI, sind Honorarzonen festgelegt. Innerhalb dieser Preisspannen mussten Architekten und Ingenieure ihre Leistungen hierzulande bisher abrechnen.
       Jetzt hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass die Mindest- und Höchstsätze, die bisher laut HOAI vorgeschrieben waren, nicht länger verbindlich gelten dürfen. Das Urteil zieht viel Kritik aus der Branche nach sich. Denn rund 130.000 Architektinnen und Architekten sowie Zehntausende Ingenieure, die Gebäude, Verkehrs- oder Gartenanlagen planen, haben nun keinen Anspruch mehr auf Mindesthonorar. Das wichtigste Ziel sei, die hohen Qualitätsstandards der Architekten- und Ingenieurleistungen zu sichern.
       Eine gute Planung diene der Bausicherheit und dem Verbraucherschutz. Dass Mindestsätze eine gewisse Qualität sicherstellten, überzeugte die EU-Kommission nicht: Aus Daten des Statistikamtes Eurostat gehe zwar hervor, dass Architekten in Deutschland deutlich besser verdienten als in anderen EU-Ländern. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Architekten in den anderen Ländern schlechtere Arbeit ablieferten.
       Verbindliche Mindesthonorare könnten außerdem geeignet sein, um einen Konkurrenzkampf und qualitativ minderwertige Billigangebote auf dem Markt zu vermeiden, wie es die Bundesrepublik bezwecke. Allerdings, und jetzt kommt das große Aber: Solch eine nationale Regelung sei nur zu rechtfertigen, wenn sie ihrem Ziel tatsächlich in "kohärenter und systematischer Weise" gerecht werde.
       "Es könnte passieren, dass große Planungsbüros mit vielen Mitarbeitern, die ausreichende finanzielle Reserven haben, ihre Leistungen kurzzeitig massiv vergünstigt anbieten, um Aufträge an sich zu ziehen und kleinere Anbieter damit aus dem Markt zu drängen", sagte Martin Falenski, Hauptgeschäftsführer der Bundesingenieurkammer. Joachim Brenncke, Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer, mahnte: Es liege nun an den individuellen Auftraggebern, Architekten und Ingenieuren, sich eigenverantwortlich an die bisherigen Mindesthonorare zu halten, um einen solchen Preisrutsch zu verhindern.

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