Eine architektonische Reise um die Welt, Einblicke in den Entstehungsprozess spektakulärer Gebäudehüllen und herausragende Impressionen: All dies erwartete die Teilnehmer beim „2. International NEXT Facade Summit“ im NEXT Studio by Wicona + Partners (Frankfurt) am 25. März 2021. Vier international renommierte Architekten und Fassadenplaner waren bei dem im Livestream übertragenen Event mit dabei.

Visionäre Architekturprojekte

Zum Start des von Dr.-Ing. Werner Jager (Geschäftsführer Wicona) moderierten Programms stellte Kai-Uwe Bergmann von der Bjarke Ingels Group (New York) aktuelle Projekte vor. „Wir suchen immer wieder nach Wegen, die Fassade nicht einfach als Schutzhülle zu verstehen, sondern als Möglichkeit zur aktiven Steigerung der Gebäude-Performance“, so der Architekt. Als ein Beispiel dazu veranschaulichte Kai-Uwe Bergmann das Hochhaus Shenzen Energy Mansion – entstanden im tropischen Klima der chinesischen Millionen-Metropole. Dabei konzipierte BIG eine gefaltete Fassade, die als aktiver Sonnenschutz dient und so den Hitzeeintrag ins Gebäude bis zu 30 Prozent reduziert. Weitere Highlights: Das Audemars Piguet Museum in der Schweiz, das T-förmige „The Smile“ im New Yorker Stadtteil East Harlem und das Amager Ressource Center in Kopenhagen. Die futuristische Müllverbrennungsanlage beherbergt eine begrünte Dachlandschaft mit Skipiste und Wanderwegen.

Gestaltungsprozesse von der ersten Idee bis zur Realisierung

Unter dem Titel „Crafting Facades“ eröffnete Juan Lucas Young Einblicke in den Design- und Gestaltungsprozess von Gebäude und Fassaden bei Sauberbruch Hutton (Berlin). Der Partner und Geschäftsführer des renommierten Büros erläuterte anhand zahlreicher Projekte den Weg von der Idee bis zur Realisierung. Beim Neubau der GSW Hauptverwaltung in Berlin stellte man sich zum Beispiel zunächst Fragen wie: Wo ist das Gebäude situiert? Welche Historie haben Standort und Umgebung? Hierbei sind – so erläuterte Juan Lucas Young – auch die Farben maßgeblich. Dies visualisierte der Architekt beispielsweise anhand der aufwändigen Bemusterung der Farbgebung beim Neubau des Umweltbundesamtes (Dessau) – einem schlangenähnlich geformten Gebäude, das auf einer Seite direkt an einen öffentlichen Park grenzt. Nicht zuletzt spielen auch die Fassaden-Materialien eine Rolle im Planungsprozess bei Sauerbruch Hutton. Dies zeigte der Architekt unter anderem anhand des mit der Elementfassade WICTEC EL von Wicona realisierten Bürogebäudes „Stockholm One“.

Ästhetik und Fassadenkonstruktion vereint

Anschließend stellte Peter Olbert von Hadi Teherani zwei ambitionierte Hochhausprojekte des international operierenden Architekturbüros in Deutschland vor. Der „Spin Tower“ befindet in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofs und fällt vor allem durch die gegeneinander verdrehten Stockwerke im obersten Drittel optisch direkt ins Auge. Während die unteren, klar strukturierten 20 Geschosse als Hotel dienen werden, bietet der optisch „getrennte“ obere Teil Büroflächen. Peter Olbert: „Wir mussten Kriterien wie ein variable Raumnutzung, Schallreduzierung, die Kombination von opaken und transparenten Bereichen sowie unterschiedliche Belüftungs- und Sonnenschutz-Parameter berücksichtigen. Daher haben wir drei verschiedene, sehr komplexe Fassadentypen geplant.“ So ließen sich letztendlich Konstruktion und Ästhetik harmonisch verbinden. Beim Neubau des Geschäfts- und Wohnhochhauses „Deutschlandhaus“ in Hamburg waren bei der Planung vor allem die Geschichte des ehemalig an gleicher Stelle verorteten Gebäudes sowie das Umfeld zu berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund entschieden sich die Architekten für Rotklinker als dominierendes Fassadenmaterial. Nach oben nehmen die Glasanteile stetig zu – was dem Gebäude eine besondere Eleganz verleiht.

Architektonisches Gespür trifft Engineering

Zum Abschluss schilderte die aus Dubai zugeschaltete Agnes Koltay (Koltay Facades) ihre Erfahrungen aus aller Welt. Die Architektin und Fassadeningenieurin veranschaulichte ihre Arbeit anhand spektakulärer Projekte wie dem „Museum of the Future“ in Dubai. Die liegend-ovale Hülle gleicht einem Auge, wird verziert von arabischer Kalligraphie und gilt als eine der komplexesten Konstruktionen weltweit. Ein weiteres Beispiel: Das neue Hauptgebäude des Mineralöl-Unternehmens Mol Group in Budapest. Last but not least stellte die Expertin das gigantische Projekt „Sky View“ in Dubai vor. Hierbei werden zwei Hochhaustürme mit einer monumentalen Brückenkonstruktion verbunden. Ein herausragendes Bauwerk, das auch aufgrund der beeindruckenden Ingenieurleistung von Agnes Koltay zum Leuchtturmprojekt geworden ist.

Die Aufzeichnung des Events ist unter https://www.youtube.com/watch?v=n_ts-k2PUcQ oder über den Kanal des NEXT Studios auf YouTube abrufbar.


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