Zukunftsvisionen und innovative Fassadenkonzepte der Next Generation: Das waren die zentralen Themen der 5. International NEXT Facade Session am 23. Februar 2021 im NEXT Studio in Frankfurt. Zwei alte Hasen der Fassadenbranche – Prof. Dr.-Ing. Ulrich Knaack (TU Darmstadt / TU Delft) und Lars Anders (Priedemann Facade Experts) – hatten dazu vier ambitionierte Newcomer eingeladen. Bis zu 600 Teilnehmer waren bei dem im Livestream ausgestrahlten Event dabei.

„Thinking Skins“ – Fassaden der Zukunft

Zum Start referierte Dr.-Ing. Jens Böke (Priedemann Facade-Lab / TU Delft) über „Thinking Skins“ und stellte dabei seine Promotionsarbeit zum intelligenten Zusammenspiel von Fassadenfunktionen vor. Die spannende Kernfrage dabei: Wie lässt sich die Energieeffizienz der Gebäudehülle durch den Einsatz „cyber-physikalischer“ Systeme – also einer Kombination informatischer, softwaretechnischer sowie mechanischer und elektronischer Komponenten – steigern?

Möglich wäre dies, so die Vision von Jens Böke, durch eine dezentral organisierte Steuerung der verschiedenen automatisierten und adaptiven Fassadenfunktionen wie zum Beispiel Ventilation und Sonnenschutz. Ein komplexes Thema mit viel Zukunftspotenzial, wie auch Lars Anders im Anschluss an den Vortrag als Fazit formulierte. Und: Jetzt gelte es, den konzeptionellen Ansatz der „Thinking Skins“ gemeinsam mit interessierten Partnern in die Baupraxis zu überführen.

Unkonventionelle Fassadengestaltung mit Mehrwert

Danach ging es um kreatives „Thinking out of the Box“. Glasexperte und Fassadenplaner Gertjan Peters vom niederländischen Büro ABT bv stellte außergewöhnliche Fassadenprojekte vor und gab dabei persönliche Einblicke in die Arbeitsweise und den Designprozess bei ABT.

Gertjan Peters: „Auf der Suche nach dem optimalen Konzept arbeiten wir stets mit offenem Geist und immer mit dem Blick für gutes Design“. Eines der präsentierten Projekte: Das „Co Creation Center Delft“. Bei dem innovativen Open Air Labor zur Erforschung neuer Technologien ging es vor allem um eine nachhaltige wie kosteneffiziente Lösung.

So setzte ABT an der Fassade auf Glasfins, die gleichzeitig als Unterstützung der Dachkonstruktion dienten. Beim Naturalis Biodiversity Centre Leiden – einem Naturhistorischen Museum mit Forschungsinstitut – konzipierte das Büro eine parametrische weiße Beton-Fassade mit spektakulärer Optik. Besonderheit dabei: Bei Designentwurf und Abstimmung mit den Architekten kam neben neuester Software auch Virtual Reality-Brillen zum Einsatz. So geht Zukunft!

„Circular Design ist eine Methode, kein Ziel“

Bei Dominique Vosmaer vom niederländischen Planungs- und Ingenieurbüro Frontwise Facades drehte sich alles um die „Circular Facade Economy“. Folgend der Philosophie „immer auf der Suche nach nachhaltigsten Fassadenkonzept“, stellte die Fassadenplanerin ein aktuelles Projekt zur Verbesserung der Qualität von Fassaden in Amsterdam vor.

Für die niederländische Metropole haben Dominique Vosmaer und ihr Team eine Design-Guideline entwickelt und darin die Anforderungen unter anderem für Architektur, Energieeffizienz, Biodiversität und Nachhaltigkeit der Fassaden definiert. Eine optimale Grundlage und Qualitäts-Richtlinie für Planer, die in der Stadt bauen wollen.

Ein zentraler Punkt dabei ist der Einsatz recycelter bzw. besonders nachhaltiger Materialien. Dominique Vosmaer: „Circular Design ist eine Methode, kein Ziel. Jeder kann circular planen und denken.“ Folgerichtig lautete ihr Appell: „Denken Sie vom Ende des Lebenszyklus her und nutzen Sie Recycling-Produkte. Überlegen Sie immer, ob es nicht noch eine bessere Option gibt.“

Adaptive textile Fassaden für mehr Nutzerkomfort

Zum Abschluss präsentierte Paul Denz – Leiter Forschung und Entwicklung bei der Priedemann Facade-Lab – ein aktuelles Projekt zur Integration von smarten Materialien in die Gebäudehülle.

Unter dem Titel „Adap Tex“ entwickelt das Team derzeit adaptive Textilien, die auf einem „Shape Memory Alloy“ (SMA) basieren. Das bedeutet: Das Material verändert bei Einwirkung von zum Beispiel Wärme seine Geometrie oder auch die Durchsicht und „erinnert“ sich danach wieder an seine ursprüngliche Formgebung. Zwei smarte Material-Varianten – „Wave“ und „Mesh“ – werden derzeit im Labor und an Testobjekten erforscht.

Die Textil-Elemente können dann zukünftig zum Beispiel als Sonnenschutz an der Fassade zum Einsatz kommen. Paul Denz: „Die smarten Materialien denken mit und steigern so nicht nur die energetische Performance, sondern auch den Komfort für die Gebäudenutzer.“

Die komplette 5. International NEXT Facade Session ist auf dem YouTube Kanal des NEXT Studios abrufbar.


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