In unserer Reihe baukultur briefing stellen wir ausgewählte Informationen aus dem Baukulturbericht 2018/2019 für die Zielgruppe Planer und Ausführende vor. Der aktuelle Bericht der Bundesstiftung Baukultur steht unter dem Titel „Erbe – Bestand – Zukunft“ und fokussiert die Bedeutung und Potenziale unseres Gebäudebestandes. Thema diesmal: Die Akzeptanz von Bauvorhaben in der Bevölkerung.

Unabhängig vom eigenen Haus erfahren heutige Neubauten in der Gesellschaft bei weitem nicht dieselbe Wertschätzung wie historische Bausubstanz. Vor allem, wenn das bestehende Umfeld dadurch stark verändert wird und kein offensichtlicher Mehrwert für die Anwohner entsteht. Wenn zudem monetäre Gründe verantwortlich sind für unangemessene oder maßstabssprengende Vorhaben, wehren sich die Anwohner.

Großvorhaben unter Beobachtung

Großvorhaben stehen unter besonderer Beobachtung durch die Bevölkerung. Zeichnen sich unvorhergesehene Kosten oder zeitliche Verzögerungen ab, wirkt sich das meist negativ auf die Akzeptanz des Vorhabens aus. Das gilt zum Beispiel auch für Sanierungen repräsentativer Gebäude, bei denen es zu ungeplanten Kostensteigerungen kommt.

Die Hertie School of Governance hat 170 öffentliche Infrastrukturgroßprojekte, die zwischen 1960 und 2014 realisiert wurden, hinsichtlich der Baukosten untersucht. Durchschnittlich beträgt die Kostensteigerung 73 Prozent pro Projekt. Das stößt in der Bevölkerung auf Unverständnis und fördert die Ablehnung neuer oder komplexer Bauinvestitionen der öffentlichen Hand. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede in der Beurteilung, die auch mit der Akzeptanz des jeweiligen Vorhabens zu tun haben.

Wovon die Akzeptanz von Bauvorhaben abhängt

So waren trotz immenser Mehrkosten und Zeitverzögerungen laut einer repräsentativen Umfrage auch während der Bauphase 73 Prozent der Hamburger für die Fertigstellung der Elbphilharmonie – unter der Voraussetzung, dass vor allem Transparenz hergestellt und ein absehbarer Eröffnungstermin garantiert werde. Die Akzeptanz von Bauvorhaben steht und fällt demnach mit der Seriosität von Annahmen in der Phase Null, der Nachvollziehbarkeit und dem Verständnis von Hindernissen und dem professionellen Nachsteuern in der Bauphase.

Baukulturbericht 2018/2019 Erbe – Bestand – Zukunft, Bundesstiftung Baukultur, Potsdam, www.bundesstiftung-baukultur.de.


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