Auf 5.080 m Höhe entstand um 2019 das erste Not-Biwak im Himalaya. Hier, in der Rolwaling-Region in Nepal, finden Einheimische und Kletterer seither Unterschlupf. Die Notunterkunft mitten in den Bergen wurde mit Injektionsmörtel und Gewindeankern im Felsen gesichert.

„Der Auslöser war ein Erdbeben im Jahr 2015, welches das Rolwaling-Gebiet sehr hart getroffen hatte“, sagt Ralf Ohnmacht, Mit-Initiator des Biwak-Projekts. Der 42-jährige Österreicher war für Konstruktion, Statik und Montage der Notunterkunft verantwortlich. Der Diplom-Ingenieur organisiert weltweit den Aufbau der Biwak-Schachteln aus Aluminium. „In den folgenden zwei Jahren sind viele spontane Hilfsprojekte entstanden, um Häuser, Wege und Infrastruktur wiederaufzubauen. Dabei ist die Problematik der schwierigen Überquerung des Trashi Labtsa Passes ins Blickfeld der beiden Tiroler Helfer Josef Einwaller und Stephan Keck gerückt.“ Die Drei waren sich schnell einig, die Expedition als privates Hilfsprojekt durchzuführen und begannen mit der Planung.

Ralf Ohnmacht betont: „Mit der Notunterkunft wollten wir ganz konkret die Sicherheit der Menschen in der Rolwaling-Region erhöhen und gleichzeitig die Tourismusentwicklung und den Handel fördern, um dadurch die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung zu verbessern.“

Modulare Schutzräume

Aufbauend auf einem modularen System, bestehen Polybiwaks aus leichten, vorgefertigten Einzelelementen. Die bauphysikalisch einwandfreie Konstruktion wird geländeunabhängig auf einem MERO-Raumfachwerk aufgebaut. Der Zusammenbau von Typen unterschiedlicher Größe und Funktion erfolgt vor Ort in kurzer Zeit und minimiert Montage- und Flugkosten. Polybiwaks bewähren sich seit nunmehr 50 Jahren als Forschungsstationen und Unterkünfte in den Eiswüsten der Antarktis und außerdem als Messstationen und (Not-)Biwaks in den heimischen Alpen.

„Aufgrund der Lage auf über 5.000 m und der enormen logistischen Herausforderungen haben wir uns für einen abgemagerten Typ des Polybiwaks entschieden – mit materialsparender Grundkonstruktion, vereinfachtem Wandaufbau und abgespecktem Innenleben“, sagt Ralf Ohnmacht zum David Lama Biwak. „Betten und Isolierung haben wir ebenfalls erst einmal weggelassen. Dies wird aber im nächsten Anlauf nachgerüstet.“ Das Biwak im Rolwaling-Tal wird nach Fertigstellung 15 Schlafplätze bieten. Durch seine aerodynamische Form sowie hochqualitative, nicht-rostende und UV-beständige Werk- und Dichtstoffe ist es extrem wind- und wetterresistent.

Bei dem Projekt galt es, viele Details zu klären: „Die Fragen – Wo genau soll die Notunterkunft stehen? Welchen Biwak-Typ verwenden wir? Und wie finanzieren wir das Ganze? – sind das eine“, sagt Ralf Ohnmacht und führt aus: „Das andere sind die konkreten logistischen Vorbereitungen: Wie bekommen wir das Material auf 5.080 m Höhe? Welche Genehmigungen werden benötig? Was kann per Hubschrauber, was muss zu Fuß transportiert werden?“

Etappen bis zum Ziel

2018 war das Expeditionsteam genau an dieser Vielzahl von organisatorischen Fragen gescheitert. Das Biwak wurde auf 4.000 m Höhe zwischengelagert, um ein Jahr später mit Hubschrauber-Unterstützung die Mission zu vollenden. Im Oktober 2019 kehrte ein 15-köpfiges Team zurück nach Katmandu. Von rund 1.300 m Höhe marschierte der Treck dann etwa eine Woche zu Fuß bis zum Aufbaupunkt des Biwaks im Rolwaling-Tal. Dabei musste das Team, das zeitweise von bis zu 25 nepalesischen Trägern begleitet wurde, fast 4.000 Höhenmeter überwinden.

Das Biwak wurde innerhalb von zwei Tagen auf einem Felsen zwischen zwei Gletschern aufgebaut, wo es links und rechts tief runterging. Hierbei steht das Biwak auf sechs „Beinen“ mit beweglichen Bodenplatten, die jeweils mit vier M20 Gewindeankern etwa 30 cm tief im Felsen verankert wurden. Für die Bohrungen kamen zwei batteriebetriebene Bohrhämmer und ein tragbarer Generator zum Aufladen der Akkus zum Einsatz. Gitterhülsen waren aufgrund des homogenen und kompakten Gesteins nicht notwendig.

Zum Fischer Befestigungssystem sagt Ralf Ohnmacht: „Der schnell härtende Mörtel war ideal für die extremen Temperaturen und Bedingungen im Himalaya.“ Dass der Superbond-Mörtel auch noch die ETA-Zulassung für gerissenen Beton und seismische Belastungen hat, gebe dem Team zusätzlich ein gutes Gefühl.


« News Übersicht