Transparenz ist im Schulbau hochwillkommen. Aber wie scharfkantig dürfen die Fenster- und Fassadenbauteile im Innenraum sein? Gibt es diesbezüglich Vorschriften? Gibt es nicht-scharfkantige Profile überhaupt auf dem deutschen Markt? Unser Autor Karan Djalalei stellt Fragen, weiß aber auch die Antworten. Auszüge aus seinem Artikel veröffentlichen wir hier vorab. Die Langversion finden Sie in der neuen Ausgabe 03/2015 von fassadentechnik.

 

Inwieweit lässt sich die Unfallverhüttungsvorschrift hinsichtlich 2 mm Kantenradius in Schulgebäuden auf Fassaden übertragen?

Die Unfallverhütungsvorschriften regeln als sogenanntes autonomes Recht in Deutschland fast alles, was man sich im Hinblick auf Präventivmaßnahmen zur Unfallverhütung vorstellen kann. Die Einhaltung der Vorschriften ist bei der Planung zwingend erforderlich. Jedoch dürfen die Regeln die zuständigen Unfallkassen nicht zu einer Fehlinterpretation des Gesetzestextes und der Sachlage verleiten.

Wenn das Gewerk Fassade von der Unfallkasse zu Präventionsmaßnahmen unter die Lupe genommen wird, kann das für den Bauherrn bei fehlender Fachkenntnis seines Planers unerwartete finanzielle Folgen haben. Umso wichtiger ist deshalb die Aufgabe des Planers, mit richtigen Argumenten gegenüber der Unfallkasse das Kostenrisiko für den Bauherrn gering zu halten. Deshalb empfiehlt der Autor dringend, sich fachlichen Beistand zu holen, bevor die Präventionsmaßnahmen mit der Unfallkasse im Detail erörtert werden.

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Der Vorschriftentext nach Paragraph 6 Abs. 2 der DGUV 81 regelt nicht den Kantenradius bei Fassaden- oder Fenstern!

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Mögliche Risiken bei Fassaden und Fenstern!

Da innerhalb eines Fassadensystems (Pfosten-Riegel-Fassade) die tragenden Glieder gegenüber der Glasebene raumseitig deutlich hervorspringen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass dies von der Unfallkasse als Gefährdungspotenzial angesehen werden kann. Insbesondere wäre eine derartige Gefährdungsbeurteilung bei einer Pfosten-Riegel-Fassade mit T-förmigen Pfosten nachvollziehbar.

 

Was gibt der Fassadenmarkt her?

Bei allen Systemhäusern werden Pfosten-Riegel-Fassaden und Fenster aus stranggepressten Aluminiumprofilen standardgemäß mit einem Kantenradius von 0,5 mm hergestellt. Da heißt die raumseitigen Kanten der tragenden Glieder (Pfosten und Riegel) sind somit als scharfkantig zu bezeichnen. Lediglich bei einem einzigen Systemanbieter werden die Profile für Pfosten-Riegel-Konstruktionen an der kritischen Stelle (Raumseite) standardmäßig mit einem größeren Kantenradius, nämlich mit 1,5 mm, hergestellt. Der Unterschied zu der Forderung aus der Unfallverhütungsvorschrift würde beim Einsatz dieses Systems lediglich 0,5 mm betragen!

Im Hinblick auf Aluminium-Fenster sind bei allen Herstellern die stranggepressten Profile grundsätzlich scharfkantig, mit maximal 0,5 mm Kantenradius, hergestellt. Lediglich die äußere Kante des aufschlagenden Flügelrahmens ist bei allen Herstellern mit einem größeren Radius hergestellt. Die gegenüberliegende Kante mit der Aufnahmenut für die Anschlagdichtung ist jedoch wiederum scharfkantig.

 

Was tun, wenn die Unfallkasse derartige Forderungen an Fassaden um jeden Preis realisiert sehen will?

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Der Autor

Dipl.-Ing. Karan Djalaei ist Geschäftsführer der von ihm 2013 gegründeten Firma KD Fassadenplanung und berät private Investoren, Projektentwickler, Architekten, Generalunternehmer und die öffentliche Hand in allen Fragen rund um die Gebäudehülle in der Projektierungs- und Realisierungsphase. Ein Lehrauftrag für Fassadentechnologie am Institut für Technik und Ökologie (ITECH) der Fachhochschule Köln und Fachvorträge zum Thema Fassadentechnik gehören ebenfalls zu seinen Tätigkeiten.

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