Unser Planet heizt sich auf, das ist in der Geschichte der Erde schon häufiger geschehen, noch nie allerdings in dem Tempo der letzten 200 Jahre. Verursacher sind nicht nur die Motoren und das Schrumpfen der Wälder. Für etwa 45 Prozent des Weltenergieverbrauchs sind Gebäude jeder Art verantwortlich. Um zukünftig intelligent und effizient zu haushalten, müssen Gebäude weniger Energie verbrauchen, erneuerbare Energien nutzen und eigene Energie produzieren –  im Bestfall über den eigenen Bedarf hinaus. Hierfür wurde von der Universität Stuttgart ein Fassadensystem entwickelt, das im Gegensatz zu den herkömmlichen Systemen wie Photovoltaik oder thermischen Solar Kollektoren mehrere Funktionen vereint. Es nennt sich Fassadenkollektor und ist ein Solarsystem, das nicht auf dem Dach, sondern an der Außenwand des Gebäudes installiert wird.  Diese Alternative macht nicht zuletzt wegen ihrer funktionellen Komplexität, sondern auch wegen ihrer integrativen Erscheinung aus einem technischen solaren Bauen auch ein architektonisches Projekt.

Dreifach-Nutzung dank Kollektoren
Zweck  des energieeffizienten Fassadenbauteils sind neben der Energiegewinnung auch Sonnenschutz und Tageslichtnutzung. Die Funktionen sind in die Fassade integriert und können flexibel angewandt werden. Die technische, einfache Forderung, wird hier mit hoher architektonischer Qualität verbunden. Transparenz des Fassadenelements, Raumausleuchtung, Wärme- und Sonnenschutz  werden zum architektonischen und gebäudetechnischen Anspruch.
Hochleistungsvakuumröhren minimieren den Kühlungsbedarf der Gebäude um 70-90 Prozent.         
         Integrierte perforierte Parabolspiegel bündeln die direkte Einstrahlung der Sonne und einen Teil des diffusen Lichts und lenken es auf die Vakuumröhren. Die Wärme wird abgeleitet bevor sie das Innere des Gebäudes erreichen kann. Das Tageslicht geht trotzdem nicht verloren, es dringt leicht gedämpft, blendfrei und gleichmäßig in die Räume ein.
Für die Gebäudeheizung und Warmwasserzubereitung, liefert die Kollektorfassade ganzjährlich Temperaturen bis über 80°C. Durch den modularen Aufbau des Systems, kann es auf unterschiedlichste Gebäude und in unterschiedlichsten Größen gebaut werden.
        Zur Beurteilung der Sonnenschutz- und Tageslichteigenschaften wurden zwei geschosshohe Fassadenmodule ohne Deckscheibe gefertigt und in die Teststation der TU München am Fachgebiet für Hüllkonstruktionen eingebaut und anschließend lichttechnisch untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass die Kollektorfassade ein hohes sturmsicheres Sonnenschutzpotenzial besitzt, zusätzliche Kühllasten verhindert und einen konventionellen Sonnenschutz ersetzen kann. Die Kosten für aufwendige Sonnenschutzeinrichtungen oder -verglasung entfallen. Verglichen mit konventionellen Kollektor-Dachsystemen haben die Fassadensysteme wirtschaftliche Vorteile wegen des Dreifach-Nutzens Energiegewinnung, Tageslichtnutzung und Sonnen- sowie Wärmeschutz.
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