Je schneller sich Änderungen vollziehen, desto dringlicher die Frage: Was ist Ornament, was ist Wesenskern. Die dritte Edition der osd statements stellte sich diese Frage in Bezug auf den derzeit boomenden und im Umbruch befindlichen Bereich des Bauens und Konstruierens – und gab Antworten.

Mitte November fand im Deutschen Architekturmuseum (DAM), Frankfurt nun zum dritten Mal die Veranstaltungsreihe osd statements zum Thema „Elementar. Konstruieren im Wandel“ statt. Initiator und Veranstalter ist das gleichnamige Frankfurter Planungsbüro, mit den Arbeitsschwerpunkten Tragwerk, Fassade und Bauphysik.

Endlich Serie

Nach den vergangenen osd statements zu den Themen „engineering the future“ (2017) und „digital interfaces“ (2018) besann sich die diesjährige Veranstaltung auf das, was wirklich essentiell ist beim Bauen und Konstruieren. Wie hat sich dieser Ansatz verändert und wohin führt er die Branche in Zukunft?

Mit dieser dritten Veranstaltung erfüllt nun das osd-Symposium die Festlegung von Peter Cachola Schmal, Direktor des DAM, das man beim dritten Mal von einer Serie sprechen könne.

Weit aufgefächert

Das Themenfeld „Konstruieren im Wandel“ lässt sich naturgemäß weit auffächern. Es beinhaltet elementare Bauweisen und Konstruktionen, wiederkehrende Elemente wie im Systembau oder nachhaltige Modulbauten aus nachwachsenden Rohstoffen.

Die Mannschaft um Klaus Fäth, Harald Kloft, Florian Mähl und Martin Schneider wählte aus der Fülle möglicher Anknüpfungspunkte die fünf Themen
„Theorie/Geschichte“ Referentin Prof. Annette Bögle, HCU Hamburg
„Aus Sicht eines Architekten“ Referent Prof. Felix Waechter, Waechter + Waechter Architekten Darmstadt
„Innovation/Produktion“ Referent Thomas Wehrle, Erne AG, Schweiz
„Aus Sicht eines Ingenieurs“ Referent Knut Stockhusen, schlaich, bergermann partner, Stuttgart

„Innovation/Digitalisierung“ Referent Prof. Oliver Teesmann, Technische Universität Darmstadt

Die Tugend der Einfachheit

Roter Faden bei den anwesenden Architekten und Ingenieuren – Vortragende wie Zuhörer – war ein gemeinsamer Rekurs auf die gleichermaßen kreative wie konstruktiv-technische Leistung im Planen und Realisieren unserer gebauten Umwelt. „Bauen muss sich wandeln“ forderte Harald Kloft in seiner Einführung zum osd-Seminar. „Gutes Planen hat nichts mit Building Information Modeling (BIM) zu tun“ diagnostizierte Florian Mähl. Das derzeit in vielen Diskussionen so präsente Thema BIM sei Mittel, aber kein Selbstzweck.

„Verantwortung aus Expertenwissen“, mahnte beispielsweise Prof. Bögle an und forderte, dass Ingenieure immer bis zum Kern des Problems vordringen müssen.

Auch Felix Wächter verortete in sechs Thesen das Elementare beim Konstruieren – aus der Sicht des Architekten – in der „Poesie der Konstruktion“. Bauen könne nicht nur rational sein und Architekten müssten sich wieder auf die Tugend der Einfachheit besinnen.

Verantwortung aus Expertenwissen

Die hohe Verantwortung aus Expertenwissen, die Ingenieure und Architekten täglich schultern, sollte nicht in die Unsichtbarkeit dieses Berufsstandes münden, so das Fazit von Annette Bögle.

Die gut besuchte Veranstaltung hebt sich dankenswerterweise vom üblichen Seminargeschehen ab, in dem sie bewusst den Freiraum vom berufsalltäglichen Hamsterrad für den Austausch über die Universalien des Planens und Bauens nutzt.

Martin Jung
 

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