Auf dem Campus der Universität in Tübingen realisieren KAAN Architecten das neue Geo- und Umweltforschungszentrum (GUZ). Die bisher auf das gesamte Stadtgebiet verteilten unterschiedlichen Forschungsschwerpunkte des Fachbereichs werden auf diese Weise zusammengeführt, wodurch sich die Unileitung eine Bündelung der Ressourcen und Synergien zwischen den Studiengängen erhofft.
Das GUZ wurde als Stahlbetonbau in Passivhausqualität nach EU-Richtlinie geplant und bietet zukünftig ausreichend Platz für die drei Bereiche, Mineralogie und Geodynamik, Teile der Paläobiologie sowie der Angewandten Geowissenschaften.
Zusätzlich zum Neubau hat das Land Baden-Württemberg als Bauherr einen Kunst am Bau-Wettbewerb ausgeschrieben, den der Künstler Martin Bruno Schmid mit seiner Arbeit „Bohrschnitt, prekär“ für sich entschieden hat. Seine Idee nimmt sich dabei überaus zurück, obgleich sie überaus explizit Kernthemen der Fachbereiche aufgreift.

Maximale Belastbarkeit
Schmid hat sich für seinen „Bohrschnitt, prekär“ die fünf Säulen des offenen Eingangsfoyers ausgesucht. Dabei ist sein Werk so einfach wie komplex. Einfach weil es sich um je einen Schnitt durch die Säule handelt. Komplex, weil diesen Schnitten eine genaue Planung vorrausging und sich die Deutung der Kunst auf vielfache Weise mit dem Ort an dem sie gezeigt wird verbindet.
So mussten bevor die Einschnitte mithilfe einer diamantbesetzen Seilsäge vorgenommen werden konnten, erst Statik und Belastbarkeit jeder einzelnen Säule berechnet werden. Je größer die Last desto kürzer viel der Schnitt aus. Um nicht die eisernen Bewehrungen der Säulen zu beschädigen wurden mit dem Stoß der Schalungen die jeweiligen Bewehrungsstäbe markiert.
Kernbohrungen im Abstand weniger Zentimeter erleichterten ebenfalls die Einschnitte und erinnern an Grabungsproben von Geowissenschaftlern oder an Probewürfel der Betontechnologen. Das zudem Mittel in die nicht sichtbaren Berechnungen geflossen sind, trägt dem fachlichen Können der Baubeteiligten Rechnung. Die Sicht auf das unveredelte Material im Inneren der Säulen stellt einen weiteren Bezug zum Geo- und Umweltforschungszentrum in Tübingen her, das nach fast dreijähriger Bauzeit Ende 2018 eröffnet wird.
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